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L(i)ebenswertes Mainz

Grund zur Freude: Mainz ist UNESCO-Welterbe

Grund zur Freude: Mainz ist UNESCO-Welterbe

Seit dem hohen Mittelalter sind die drei jüdischen Zentren am Rhein – Speyer, Worms und Mainz – unter dem Kurzwort „SchUM“ bekannt. Im Juli 2021 hat die UNESCO die SchUM-Stätten zum Welterbe erklärt. Es ist das erste jüdische Welterbe Deutschlands.

Der Begriff „SchUM“ setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen hebräischen Städtenamen: Schin (Sch) für Schpira (Speyer), Waw (U) für Warmaisa (Worms) und Mem (M) für Magenza (Mainz). Die SchUM-Städte hatten Anfang des 13. Jahrhunderts eine führende Rolle im aschkenasischen Judentum (mittel-, nord- und osteuropäische Juden und ihre Nachfahren). Hier lebten und wirkten die wichtigsten jüdischen Gelehrten. Sie etablierten religiöse Handlungen, Erlasse und juristische Bestimmungen, die bis heute im Judentum Gültigkeit haben– zum Beispiel das Recht auf Scheidung, die Rechte der Frau oder das Briefgeheimnis.

In den drei SchUM-Städten sind herausragende jüdische Ritualbauten und Grabdenkmäler aus dem Mittelalter erhalten geblieben, etwa die Monumentalmikwe in Speyer, die zu den ältesten und bedeutendsten nördlich der Alpen zählt, die Synagoge Worms, der jüdische Friedhof Heiliger Sand in Worms oder der Alte Jüdische Friedhof auf dem Judensand in Mainz.

Der Alte Jüdische Friedhof – ein magischer Ort

Das Kulturdenkmal, mit dem sich die Landeshauptstadt Mainz am UNESCO-Antrag beteiligte, ist der Alte Jüdische Friedhof auf dem Judensand. Es ist ein ganz besonderer Ort: Wer die Möglichkeit hat, den Friedhof zwischen der Wohn- und Industriebebauung der Fritz-Kohl-Straße und der Mombacher Straße in fachkundiger Begleitung zu besichtigen, kann erleben, wie schnell der Zauber des Ortes seine Wirkung entfaltet – abseits des Straßenlärms, der außerhalb der Umfriedung herrscht.

Auf dem Teil-Gelände des Mainzer Denkmalfriedhofs befinden sich 188 Grabsteine aus dem 11. bis 15. Jahrhundert in einer Aufstellung des Rabbiners Sali Levi von 1926. Denn durch Zerstörungen und Missbrauch der Steine als Baumaterial befinden sich diese Grabsteine nicht mehr in situ, an der ursprünglichen Grabstelle. Vielmehr wurden sie nach ihrer Wiederentdeckung bei der Niederlegung der Festungsmauern im 19. Jahrhundert in einer neuen Anordnung aufgestellt.

Der Friedhof birgt nicht nur die ältesten Grabsteine Mitteleuropas, er war seinerzeit auch der größte seiner Art in Aschkenas. Mindestens seit dem frühen elften Jahrhundert wurden dort die Mitglieder der jüdischen Gemeinde begraben. Der älteste datierte Stein – heute im Landesmuseum Mainz – trägt das Todesdatum 1049 (Jehuda ben Senior). Die Ruhe der Toten ist auf jüdischen Friedhöfen unantastbar. Deshalb wird vor Eingriffen wie Grabsteinaufrichtungen immer die jüdische Gemeinde konsultiert.

 

Die Landeshauptstadt Mainz hat für den Alten Jüdischen Friedhof einen landschaftsplanerischen und architektonischen Planungswettbewerb initiiert. Ziel ist es, einen Besucher-Pavillon zu errichten sowie das gesamte Friedhofsareal stärker sichtbar zu machen. Von den drei Preisträgern, die im September 2020 prämiert wurden, erhielt die Sinai Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH den Zuschlag. Bei der weiteren Planung zur Realisierung des Entwurfs werden denkmalpflegerische, sicherheitsrelevante, umweltgesetzliche und religiöse Aspekte berücksichtigt.

Weiterführende Informationen:
www.mainz.de/schum

Mehrere Menschen stehen vor einer grünen Hecke und halten ein Banner hoch, auf dem "Wir sind Welterbe!" steht.

Die SchUM-Städte stellen sich vor (Videos)

UNESCO-Film über die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz:

www.youtube.com/watch

Die SchUM-Städte stellen sich vor:

www.youtube.com/watch