Zukunftsorientiertes Mainz
Mainz auf dem Weg zur Fahrradstadt
Wie sieht die Zukunft der Mobilität in Mainz aus? Das Fahrrad wird als Verkehrsmittel immer wichtiger – neben Pkw und öffentlichem Nahverkehr. Die Landeshauptstadt Mainz fördert eine fahrradfreundliche Infrastruktur mit neuen Radrouten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie dem Stadtradeln.
Das Fahrrad hat sich als Fortbewegungsmittel in Mainz etabliert. Es ergänzt Fußwege, Busse und Straßenbahnen zu einem ausgewogenen Mobilitätsmix. Eine repräsentative Erhebung hat ergeben, dass die Mainzerinnen und Mainzer 2023 fast ein Drittel (31 Prozent) der Wege in der Stadt mit dem Fahrrad zurücklegten. E-Bikes und Lastenräder ermöglichen, noch häufiger auf das Auto zu verzichten. Das Fahrrad hat im innerstädtischen Verkehr viele Vorteile: Es ermöglicht eine schnelle Fortbewegung, spart die Parkplatzsuche und ist umweltfreundlich.
In den vergangenen Jahren haben immer mehr Mainzer:innen die Vorteile des Fahrradfahrens für sich entdeckt, wie Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger feststellt: „Fahrradstraßen haben sich hier inzwischen gut bewährt und werden immer beliebter. Sie fördern ein sicheres und entspanntes Miteinander im Straßenverkehr.“
Ein lückenloses Netz
Die Landeshauptstadt Mainz möchte die Nutzung des Fahrrads weiter fördern und noch attraktiver machen. Ende 2023 begann die Entwicklung des sogenannten Radkonsenses. Dabei werden einerseits Standards erarbeitet, anderseits wird das „Radnetz Mainz“ mit Haupt- und Nebenrouten geplant. Verwaltung, Politik und Interessensvertretungen arbeiten zusammen, um verschiedene Belange zu berücksichtigen und die Radinfrastruktur nachhaltig zu gestalten.
Zu den wichtigsten Voraussetzungen für angenehmes Fahrradfahren in der Stadt zählen gut ausgebaute und sichere Radrouten. Mit neuen Querverbindungen zwischen den bestehenden Fahrradstrecken soll ein lückenloses Netz geknüpft werden. „So werden wir dem zunehmenden Radverkehr im städtischen Verkehrsmix gerecht“, sagt Steinkrüger. Zusammen mit niederländischen und dänischen Planungsbüros entwirft die Stadtverwaltung seit Anfang 2024 ein Radnetz mit Haupt- und Nebenrouten. Im Rahmen einer Bürgerbeteiligung wird der Vorschlag angepasst und optimiert. Schon 2021 skizzierte der sogenannte „Mapathon“ Ideen für Routen, die interessierte Mainzer:innen gesammelt und dokumentiert hatten.
Auf Basis solcher Alltagserfahrungen, so Steinkrüger, orientiere sich die Entwicklung des Radnetzes von vornherein an den Bedürfnisse der Nutzer:innen: „So können wir von der Sattel-Perspektive her planen und, ergänzt durch nationale Fachexpertise, eine breite Akzeptanz erreichen.“
Im Mai wurden zwei verschiedene Bürgerbeteiligungen durchgeführt: Zum einen eine Online-Konferenz, die allen Interessierten die Teilnahme ermöglichen sollte, zum anderen eine Veranstaltung im Kurfürstlichen Schloss mit mehr als 200 ausgelosten und anschließend repräsentativ eingeladenen Mainzer:innen.
Neue Fahrradstraßen
Während im Verwaltungsgebäude auf der Zitadelle das künftige Radnetz geplant wird, laufen in der Stadt bereits Bauarbeiten. Im Oktober 2023 wurde die Moltkestraße in der Neustadt zur Fahrradstraße. Hier geben nun die Radfahrenden das Tempo vor – alle anderen Fahrzeuge müssen sich danach richten. Die Moltkestraße verteilt den Radverkehr in Richtung Mombach und Gonsenheim sowie in die Alt- und Neustadt. Dank der neuen Routenführung kann man vom Bismarckplatz zur Großen Bleiche und in die Altstadt radeln.
In der Oberstadt vervollständigen neue Fahrradstraßen Am Rosengarten, in der Neumannstraße und der Ritterstraße das bestehende Netz. Die Strecke verbindet Hechtsheim und Weisenau mit der Innenstadt – sie wird vor allem für den Schulweg genutzt. Die Ritterstraße ergänzt die Route aus Richtung Weisenau zum Rosengarten und den Grünanlagen am Drususwall. Mit der Neumannstraße wird die letzte verbliebene Lücke aus Hechtsheim über die Fahrradstraßen Elisabeth-Selbert-Straße, Karcherweg und Ebersheimer Weg in die Oberstadt geschlossen.
Der Ausbau des Radnetzes hat auch Vorteile für Fußgänger:innen. Denn ohne ausgewiesene Fahrradwege weichen Radler:innen oft auf Gehwege aus, was zu riskanten Situationen führt. Dank neuer Radwege gibt es nun genug Raum für alle.
Erfolgreiches Stadtradeln
Neben einer gut ausgebauten Infrastruktur ist es wichtig, das öffentliche Bewusstsein für das Fahrradfahren in der Stadt zu schärfen. Seit mehr als einem Jahrzehnt nimmt die Landeshauptstadt Mainz am „Stadtradeln“ teil. Bei dieser bundesweiten Aktion werden in einem bestimmten Zeitraum möglichst viele Kilometer mit dem Rad zurückgelegt. Egal ob zur Schule, zur Arbeit oder zum Bäcker – jeder Weg wird dokumentiert. Vom 3. bis zum 23. Juni 2024 nahmen in Mainz 3.327 Personen am Stadtradeln teil und kamen in drei Wochen auf eine Strecke von insgesamt 583.524 Kilometern. Das entspricht 14 Erdumrundungen entlang des Äquators!
Mainz ist auf einem guten Weg, sich zu einer echten Fahrradstadt zu entwickeln. Die neuen Radrouten werden gut angenommen. Aktionen wie das Stadtradeln schaffen mehr Bewusstsein für das Radfahren in der Stadt. Der Radkonsens bindet alle relevanten Interessengruppen ein, und über das fahrRad-Büro können sich die Bürger:innen direkt einbringen.
Übrigens war man sich offenbar schon vor sehr langer Zeit sicher, dass Mainz einmal eine fahrradfreundliche Stadt sein wird: Auf dem Stadtwappen ist ein Zweirad abgebildet.